„Ich wollte einfach nur in Sicherheit leben.“
Mit diesem Wunsch kam ich 2016 aus Syrien nach Deutschland. Ich wusste: Ich muss neu anfangen. Natürlich war das nicht einfach. Ich musste eine neue Sprache lernen, mich in einem fremden Land zurechtfinden und mir ein neues Leben aufbauen.
Um in Deutschland anzukommen, machte ich zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr als Pflegehelfer in Bayern. Diese Zeit hat mir vor allem beim Deutschlernen geholfen. Ich sprach jeden Tag mit Kolleginnen und Kollegen sowie mit Patientinnen und Patienten. Dadurch wurde ich sprachlich immer sicherer. Trotzdem wusste ich: Mein Platz ist in der IT.
Schon in Syrien habe ich mich für Computer und Software begeistert. Ich habe gerne programmiert und getüftelt. Am meisten Spaß macht es mir, Probleme zu lösen, genau deshalb wollte ich unbedingt Softwareentwickler werden.
Also bewarb ich mich auf Ausbildungsstellen im IT-Bereich und zog dafür sogar ins Ruhrgebiet, weil es dort mehr Möglichkeiten gab. Ich schrieb viele Bewerbung und erhielt immer wieder Absagen. Es war nicht immer einfach weiterzumachen. Aber ich wollte es unbedingt.
Dann bekam ich die Chance, mich bei der Kommunix GmbH zu beweisen.
Anstatt mich nur nach meinem Lebenslauf oder meinen Deutschkenntnissen zu beurteilen, bot man mir zunächst ein zweieinhalbmonatiges Praktikum an. Dort konnte ich zeigen, wie ich arbeite, wie ich Probleme löse und mit welcher Motivation ich jeden Tag dabei bin.
Nach dem Praktikum bekam ich meinen Ausbildungsvertrag. Ich weiß noch genau, wie glücklich ich in diesem Moment war. Endlich hatte mir jemand die Chance gegeben, zu zeigen, was ich wirklich kann.
Viele denken, dass das Programmieren die größte Herausforderung war. Tatsächlich war es etwas ganz anderes: die Kommunikation.
Fachlich fühlte ich mich schnell sicher. Ich hatte schon vor meiner Ausbildung programmiert und wusste, dass mir das Lösen von Problemen Spaß macht. Viel schwieriger war es für mich, meine Gedanken auf Deutsch auszudrücken.
Ich hatte oft Angst, etwas falsch zu sagen oder nicht richtig verstanden zu werden. Deshalb war ich am Anfang eher ruhig und zurückhaltend. Bevor ich etwas gesagt habe, habe ich oft lange überlegt, ob ich die richtigen Worte finde. Ich wollte meine Kolleginnen und Kollegen verstehen– und genauso wichtig war mir, dass sie auch mich verstehen.
Ich hatte am Anfang das Gefühl, dass die anderen mich gar nicht richtig kennenlernen konnten. Ich bin eigentlich ein freundlicher und lustiger Mensch, aber auf Deutsch konnte ich das am noch nicht zeigen.
Dazu kam, dass ich zuerst in Bayern gelebt habe. Als ich später nach Nordrhein-Westfalen kam, musste ich mich nicht nur an einen neuen Ort gewöhnen, sondern auch an die Umgangssprache. Plötzlich hörte ich Wörter wie „Digga“ oder „chillig“ und hatte keine Ahnung, was sie bedeuten. Oft musste ich nachfragen. Heute kann ich darüber lachen, aber damals war das für mich eine echte Herausforderung.
Zum Glück hatte ich Menschen an meiner Seite, die Geduld mit mir hatten. Meine Kolleginnen und Kollegen haben sich Zeit genommen, meine Fragen beantwortet und mir nie das Gefühl gegeben, dass ich störe. Dadurch wurde ich sprachlich und im Umgang mit anderen, Tag für Tag sicherer.
Rückblickend hat mir diese Zeit gezeigt, dass Sprache nicht nur aus Wörtern besteht. Es geht auch darum, Vertrauen aufzubauen. Genau dieses Vertrauen habe ich bei Kommunix gefunden und das hat mir geholfen, nicht nur beruflich, sondern auch persönlich anzukommen.
Wenn ich heute gefragt werde, was Kommunix für mich besonders macht, denke ich sofort an das Vertrauen. Vertrauen bedeutet mir sehr viel. Durch meine Erfahrungen habe ich gelernt, vorsichtig zu sein und Menschen nicht sofort zu vertrauen. Umso mehr bedeutet es mir, wenn ich merke, dass ich mich auf andere verlassen kann.
Wenn ich Hilfe brauche, wünsche ich mir Menschen, die sagen: „Komm, wir machen das zusammen.“ Genau dieses Gefühl habe ich bei Kommunix gefunden. Meine Kolleginnen und Kollegen unterstützen mich, wenn ich Fragen habe, und nehmen sich Zeit füreinander. Das hat mir geholfen, fachlich und persönlich immer selbstbewusster zu werden.
Vor Kurzem habe ich meine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Wenn ich heute zurückblicke, bin ich stolz auf meinen Weg. Nicht nur auf den Abschluss, sondern auf alles, was davor lag: eine neue Sprache lernen, viele Bewerbungen schreiben, Absagen aushalten und trotzdem weitermachen.
Heute arbeite ich als Entwickler bei der Kommunix GmbH – genau in dem Beruf, von dem ich schon lange geträumt habe.
– Anas Alhendi, Entwickler
In einer Zeit, in der der Fachkräftemangel eine der größten Herausforderungen für Unternehmen darstellt, können wir es uns nicht leisten, auf bereits perfekt ausgebildete BewerberInnen zu warten – wir müssen selbst aktiv werden. Leider erleben wir immer wieder, dass die Anerkennungsquote ausländischer Abschlüsse gering ist und hochqualifizierte Geflüchtete kaum Chancen haben, ihre Fähigkeiten hier einzusetzen. Doch anstatt diese Potenziale ungenutzt zu lassen, setzen wir bewusst auf Ausbildung und individuelle Förderung.
Ausbildung als Schlüssel zur Integration und zur Fachkräftesicherung.
Unser Ziel ist es, Geflüchteten nicht nur eine berufliche Perspektive zu bieten, sondern sie gezielt in unser Team zu integrieren. Deshalb nehmen wir das Heft selbst in die Hand und bilden Fachkräfte von morgen direkt in unserem Unternehmen aus. Da die Sprache eine essenzielle Rolle für den Erfolg im Berufsleben spielt, stellen wir betriebliche Deutschkurse bereit, um eine optimale Verständigung und schnelle Eingliederung in den Arbeitsalltag zu ermöglichen.
Wir sind überzeugt: Wenn Unternehmen Verantwortung übernehmen und in Menschen investieren, profitieren alle – die Geflüchteten, Unternehmen und letztlich unsere gesamte Gesellschaft. Denn eine erfolgreiche Integration durch Ausbildung ist nicht nur ein Gewinn für den Einzelnen bzw. die Einzelne, sondern stärkt auch unsere Wirtschaft und unsere soziale Gemeinschaft nachhaltig.
– Renate Bunten, Geschäftsführung